Mira bei RADIO 21: Philipp Lahm

Verfasst von am 15. Februar 2017 in RADIO 21

„Wie schon bei meinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft, vertraue ich ganz auf mein Gefühl“ – das schrieb Philipp Lahm in seinem Facebook-Post, in welchem er sich und seine Rücktritts-Motivation erklärte. Wir möchten an diesem Punkt widersprechen, denn aus unserer Sicht ist der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft eher ein kopfgesteuerter Mensch. Unserer Meinung nach hat er seinen Rücktritt strategisch und langfristig geplant – wie Nico Rosberg oder auch Sigmar Gabriel. Der Ausnahmefußballer ist unser „Mensch der Woche“.

Planung ist alles!
„(…) wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne vorbereitet bin.“ Hier spricht die intrinsische Motivation, der innere Antrieb von Philipp Lahm: das große Bedürfnis nach Sicherheit. Persönlichkeiten, die von diesem inneren Motor angetrieben werden, sind wahre Genies im Planen. Sie benötigen feste Strukturen und müssen Entscheidungen lange durchdenken – weil sie Angst haben, eine Falsche zu treffen und für die Konsequenzen verantwortlich zu sein. Darum hören sie auch so gern auf (verlässliche) Autoritäten, die ihnen sagen, was sie tun sollen. Durch dieses Verhalten erfüllen sie sich ebenfalls ihr Bedürfnis nach Sicherheit. Wir können davon ausgehen, dass sein Rücktritt und auch der kommunikative Alleingang Lahms keine Schnellschüsse waren.

Menschen, die von ihrem Streben nach Sicherheit regiert werden, besitzen Qualitäten, die bei Philipp Lahm stark ausgeprägt sind und deutlich sichtbar werden: Sie sind Teamplayer, haben ein übergroßes Pflichtbewusstsein und sind sehr loyal (bis auf ein kurzes Gastspiel in Stuttgart war Lahm dem FC Bayern München seit seinem 11. Lebensjahr treu). Sie zeigen eine bescheidene, manchmal sogar scheue Zurückhaltung und suchen sich ihren Platz lieber in der zweiten als in der ersten Reihe. Wenn sie in letztere kommen, werden sie allerdings dorthin geschoben … wie Philipp Lahm als Kapitän der Nationalmannschaft.

Der deutsche Messi
Interessant ist, dass Lahms Persönlichkeitsmuster identisch ist mit dem von Lionel Messi. Beide gelten als intelligente Spieler, die sich nicht in den Vordergrund drängen (das geht bei Messi sogar so weit, dass er die Öffentlichkeit hasst und sich dieses Gefühl in psychosomatischen Reaktionen manifestiert). Von beiden existieren keine Homestory, es gibt keine Skandale oder Ego-Shows. Es mag Menschen geben, die beide Persönlichkeiten als brav und langweilig betiteln würden. Sicherheitsmenschen nur an ihrer Leistung auf dem Platz gemessen werden, nicht an ihrer Persönlichkeit. Sie haben Angst davor, bewertet zu werden. Zum Schutz umgeben sie sich mit Menschen, die sie gut kennen: Philipp Lahm fühlt sich – wenn er nicht auf dem Rasen steht – im Kreise seiner Familie und vor seiner Playstation am wohlsten.

Das Leben nach dem Sport
Philipp Lahm hat das Ende seiner Fußballkarriere von langer Hand geplant: er besitzt zahlreiche Firmen-Beteiligungen und hat sich für die Zeit nach seiner aktiven Karriere strategisch abgesichert. Warum nun diese leicht missglückte Loslösung von seinem Verein? Beim FC Bayern hat er wohl entweder zu hoch gepokert oder seine Absichten und Fähigkeiten nicht klar genug dargestellt. Menschen die von der intrinsischen Motivation Sicherheit angetrieben werden fühlen sich unwohl, wenn sie ihre Stärken in den Mittelpunkt stellen und/oder sich selbst präsentieren sollen. Für sie wäre das eine Ego-Show – und nichts finden sie schlimmer als eitle Selbstdarstellungen. Sicherheitsmenschen bilden sich eher zu wenig auf sich ein als zu viel. Haben sie sich allerdings etwas in den Kopf gesetzt und kommen nicht zum gewünschten Ziel, reagieren sie wie trotzige Kinder, denen das Lieblingsspielzeug verweigert wird. Dann schlüpfen sie in die Opferrolle und verlassen … das Spielfeld.

Mehr Hintergründe über den Rücktritt von Philipp Lahm hören Sie in der Kolumne bei RADIO 21 – oder auch hier.

Wie funktioniert Key to see®?
Die Key to see®-Methode basiert auf der Jahrtausende alten Typologie des Enneagramms, übersetzt in die heutige Zeit. Um Persönlichkeitsaspekte von Personen des öffentlichen Lebens herauszufiltern und daraus Anhaltspunkte für die Handlungsmotivation zu finden, durchforstet Mira Biographien, Wikipedia-Einträge und Berichte im Internet, analysiert YouTube-Videos von öffentlichen Auftritten und liest persönliche Aspekte aus Facebook-Einträgen und Postings – auch die von anderen Nutzern. „Es ist wie das Zusammensetzen eines großen Puzzles“, sagt Mira. „So können wir wertvolle Erkenntnisse über die intrinsische Motivation unserer Mitmenschen erhalten und ihr Verhalten besser verstehen. Das Nachfühlen der Handlungsmotivation des anderen ist die Basis für Empathie.“