Mira bei RADIO 21: Claus Weselsky

Verfasst von am 23. Mai 2015 in Menschen der Woche - das Archiv

In der Coaching-Kolumne „Menschen der Woche“ bei den Sendern Radio 21 und Rockland Radio spricht Mira Mühlenhof regelmäßig über Menschen, die uns in diesen Tagen bewegen.

Ein Kampf ums Recht haben: Claus Weselsky

Seit Monaten hält uns der Gewerkschaftsboss in Atem und entscheidet, wer oder was sich in Deutschland bewegt – oder nicht. Er polarisiert und spaltet die Gesellschaft: Manche ziehen vor ihm den Hut, für andere ist er der meistgehasste Mensch des Landes. Kritik scheint an Claus Weselsky abzuprallen wie Wasser am Ostfriesennerz. Die öffentliche Meinung interessiert ihn einfach nicht. Damit scheiden drei intrinsische Motivationen schon mal aus: Menschen, die von Liebe, Erfolg oder Individualität angetrieben werden, wollen bei ihren Mitmenschen gut ankommen. Sie halten es nicht aus, abgelehnt zu werden. Überhaupt ist der Gewerkschaftsfunktionär ein gutes Beispiel dafür, wie man die intrinsische Motivation eines Menschen lesen kann. Wir gehen nach dem Ausschlussprinzip vor: Auch Wissen, Spaß und Harmonie werden im Verhalten von Weselsky nicht sichtbar, darum können wir diese Motivationen bei ihm ausschließen. Bleiben noch vier übrig: Kampf, Sicherheit, Macht und Perfektion.

Geht es wirklich um Macht?

Weselsky selbst sagt, dass es in dem Konflikt mit der Deutschen Bahn gar nicht um Macht gehe, sondern ums Prinzip. Das deutet darauf hin, dass er Recht haben will: der Hauptantrieb der Perfektionisten. Gleichzeitig hat er sich bereits früh in seinem Leben für den Widerstand entschieden. Zum Beispiel war er kein Mitglied der SED – auch wenn das zur Folge hatte, dass er als Lokomotiv-Führer jahrelang nur Rangierloks fahren durfte. Das Angebot der Bahn vom Jahr 2007, die Position des Personalvorstands zu bekleiden, hat er entrüstet abgelehnt. Sein Lebens-Prinzip ist der Kampf – darum kann sich die Bahn auch auf weitere turbulente Jahre einstellen. Und die EVG sowieso.

Wie gehe ich mit jemandem um, der kämpft und Recht haben will?

Was macht ein Kämpfer, der keinen Gegner hat? Eben. Ein Kämpfer kämpft immer um Akzeptanz und Anerkennung, um soziale Gerechtigkeit (wie Robin Hood) oder für soziale Brennpunkte (wie Rocky). Claus Weselsky wird – außer von seinen Gewerkschaftsleuten – jegliche Anerkennung verwehrt, darum kämpft er immer und immer weiter. Annahme und Verständnis nehmen Kämpfern den Wind aus den Segeln. Gleiches gilt für Perfektionisten: Lob für die Anstrengung und außerordentliche Leistung zieht besser als der ewige Kampf ums Recht haben.

Wie funktioniert Key to see®?

Die Key to see®-Methode basiert auf Jahrtausende alten Typologie des Enneagramms, übersetzt in die heutige Zeit. Um Persönlichkeitsaspekte von Personen des öffentlichen Lebens herausfiltern und daraus Anhaltspunkte für die Gründe ihres Handelns zu finden, durchforstet Mira Biographien, Wikipedia-Einträge und Berichte im Internet, analysiert YouTube-Videos von öffentlichen Auftritten und liest persönliche Aspekte aus Facebook-Einträgen und Postings – auch die von anderen Nutzern. „Es ist wie das Zusammensetzen eines großen Puzzles“, sagt Mira. „So können wir wertvolle Erkenntnisse über unsere Mitmenschen erhalten und ihr Verhalten besser verstehen. Ein Sich-rein-denken und Nachfühlen in eine andere Persönlichkeitsstruktur ist für mich die Basis für Empathie.“

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Photo: http://commons.wikimedia.org