Mira bei RADIO 21: Bono

Verfasst von am 21. Oktober 2015 in Menschen der Woche - das Archiv

In der Coaching-Kolumne „Menschen der Woche“ bei den Sendern Radio 21 und Rockland Radio spricht die Persönlichkeitsexpertin Mira Mühlenhof regelmäßig über Menschen, die uns in diesen Tagen bewegen.

Bono: Der Kampf für das Gute

Unser „Mensch der Woche“ ist diesmal Bono, Leadsänger der irischen Kultband U2. Warum ausgerechnet jetzt? U2 sind derzeit auf der „iNNOCENCE + eXPERIENCE Tour“ unterwegs und haben erste Konzerte in Italien gespielt. In Tagen, in denen sich auch andere Künstler mit ihrer politischen Haltung positionieren, werfen wir in der Kolumne einen Blick auf den Musiker, der seit langer Zeit für sein politisches und soziales Engagement bekannt ist und dafür steht wie kein zweiter.

„Bona Vox“ = gute Stimme

Seinen Spitznamen erhält der in einem Vorort von Dublin aufgewachsene Rockstar bereits in der Schulzeit, nach einem Geschäft für Hörgeräte namens „Bona Vox“. Der Nickname wird irgendwann gekürzt in Bono. Ein passender Name für den „Satansbraten“ – so der Spitzname, den Bono von seiner Mutter erhält, weil er als Kleinkind unerklärliche Schreiattacken hat. Er ist also schon in jungen Jahren gut bei Stimme und wusste die auch einzusetzen. Darin entdecken wir einen ersten, deutlichen Hinweis auf seine intrinsische Motivation (intrinsisch = von innen heraus):

Das Persönlichkeitsmuster Kampf

Als Bono 14 Jahre alt ist, sterben innerhalb von wenigen Tagen seine Eltern. Er ist niedergeschmettert und zeigt bereits nach kurzer Zeit ein rebellisches Verhalten, als wolle er seinen Schmerz mit einer Rebellion gegen die Welt kompensieren. Menschen mit der intrinsischen Motivation Kampf kämpfen gegen den Rest der Welt (wie Theo alias Marius Müller-Westernhagen). Sie zeigen eine Persönlichkeitsstruktur, die auf Contra ausgerichtet ist, strotzen vor Kraft und Power, bewegen sich geschmeidig wie Raubkatzen und handeln strategisch, kopfgesteuert, wohlüberlegt. Sie sind wild, nicht zu zähmen! Zu Beginn seiner Karriere hat Bono seine Wildheit auf der Bühne ausgelebt. Schon bei frühesten Auftritten fällt seine außergewöhnliche Fähigkeit auf, mit dem Publikum zu kommunizieren und noch heute ist er bei jedem Auftritt Bindeglied zwischen Band und Publikum. Anfang der 80iger Jahre gehören zu dieser Kommunikation auch Sprünge ins Auditorium oder waghalsige Klettereinlagen an den Traversen. Nach einer besonders gefährlichen Situation bei einem Konzert in Los Angeles 1983 reduziert Bono auf Drängen seiner Bandkollegen seine akrobatischen Stunts.

Eine Stimme für die Armut

Bono nutzt seine Bekanntheit für politische und soziale Zwecke. Seine Hauptanliegen dabei sind die Bekämpfung von Aids in Afrika und ein Schuldenerlass für Länder der Dritten Welt. Zudem engagierte er sich für die Opfer des Krieges in Bosnien-Herzegowina, so u. a. 1992 mit einer Live-Satelliten-Schaltung während eines Konzertes in London zur eingekesselten bosnischen Hauptstadt Sarajevo. U2 nahm auf seine Anregung hin am Live-Aid-Konzert (zur Bekämpfung der Hungersnot in Äthiopien ) im Juli 1985 und an der Conspiracy of Hope-Tour für amnesty international teil.

Reichtum und Armut – Einzelkämpfer versus Teamplayer

Viele Kritiker werfen Bono immer wieder vor, sein politisches Engagement sei unglaubwürdig. Der Stil seiner öffentlichen Auftritte an der Seite namhafter Politiker bringt ihm immer wieder Kritik ein, sich von den politischen und wirtschaftlichen Machthabern zur Imageaufbesserung missbrauchen zu lassen. Bono wird auch kritisiert, weil er einen Teil seiner Einnahmen in den Niederlanden versteuert, wo er nur etwa ein Prozent davon an den Fiskus abführen muss, und gleichzeitig die Industriestaaten zur Erhöhung ihrer Entwicklungshilfe auffordert.

Bono besitzt eine Beteiligung von 1,5 % an Facebook, die er 2009 für erst 90 Millionen US $ und etwas später nochmals für weitere 120 Millionen US $ gekauft hatte. Nach dem Börsengang von Facebook wird sein Anteil auf 1,1 Milliarden US $ geschätzt.

In seiner Band ist er Teamplayer, in seinem Privatleben Einzelkämpfer. Reich geworden ist er nicht durch seine Musik, sondern seine strategischen Investments.

Hass als Ansporn?

Interessant ist ein Statement von Bono zum Thema Fans: „Viele lieben U2 und genauso viele hassen U2. Schon als wir jung waren, schlug uns bereits faszinierend viel Ablehnung entgegen. Vielleicht ziehe ich Provokationen an, denn ich mag Konflikte, sie beleben mich! Ich lebe damit nicht nur sehr entspannt, ich genieße den Hass sogar. Denn Rockmusiker zu sein, das heißt für mich auch, Unruhe zu stiften. Im Verlauf unserer Karriere gab es vielleicht zehn Minuten, in denen wir beliebt waren, ansonsten lebten wir immer im eisigen Gegenwind.“

Umso spannender ist in diesem Kontext sein Kommentar zur Flüchtlingskrise in Europa, die viele Kämpfer in Position bringt:

„Es ist unglaublich. Die Nachrichten zu sehen, normale Leute, alle von uns scheinen in der Lage, so viel Böses und auch so viel Liebe zu zeigen. Ich kenne die Antwort zur Flüchtlingskrise in Europa und Afrika nicht, aber ich weiß, dass wir zusammen arbeiten müssen, um eine Antwort zu dieser Krise zu finden. Wie Nelson Mandela gesagt hat: Es wirkt immer unmöglich, bis es gemacht wurde.“

Mehr Hintergründe zu Bonos Persönlichkeit hören Sie in der Kolumne.

Wie funktioniert Key to see®?

Die Key to see®-Methode basiert auf einer Jahrtausende alten Typologie, übersetzt in die heutige Zeit und ergänzt mit tiefenpsychologischen Methoden. Um Persönlichkeitsaspekte von Personen des öffentlichen Lebens herausfiltern und daraus Anhaltspunkte für die Gründe ihres Handelns zu finden, durchforstet Mira Mühlenhof Biographien, Wikipedia-Einträge und Berichte im Internet, analysiert YouTube-Videos von öffentlichen Auftritten und liest Aspekte aus Facebook-Einträgen und Postings – auch von anderen Nutzern. „Es ist wie das Zusammensetzen eines großen Puzzles“, sagt Mira. „Wir erhalten wertvolle Erkenntnisse über die intrinsische Motivation unserer Mitmenschen und können ihr Verhalten besser nachvollziehen. Das Nachfühlen von Handlungsmotiven dient somit als Basis für mehr Verständnis und Empathie.“


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