Mira bei RADIO 21: Viktor Orbán

Verfasst von am 19. September 2015 in RADIO 21

In der Coaching-Kolumne „Menschen der Woche“ bei den Sendern Radio 21 und Rockland Radio spricht Mira Mühlenhof regelmäßig über Menschen, die uns in diesen Tagen bewegen.

Viktor Orbán: Keine Angst vor der Wahrheit

Seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im Jahr 2010 wird gegen Viktor Orbán der Vorwurf erhoben, die Menschenrechte in Ungarn systematisch einzuschränken. Dementsprechend darf es nicht verwundern, dass er nun in einem Interview zur Flüchtlingskrise äußerte, es gäbe kein Grundrecht auf ein besseres Leben. Auf ein menschliches wohl auch nicht.

Welche intrinsische Motivation (innerer, unbewusster Antrieb) könnte das Verhalten von Viktor Orbán steuern? Infrage kommen meiner Ansicht nach zwei Motivationen, die sich in einem ähnlichen Verhalten äußern: Macht und Kampf. Menschen mit diesen Persönlichkeitsstrukturen sind stark und furchtlos, legen sich gern mit Autoritäten an und begegnen der Wirklichkeit auf konfrontative Art und Weise.

Meiner Ansicht nach überwiegen jedoch die Aspekte einer Persönlichkeit, die von Machtbewusstsein geprägt ist. Einige Beispiele:

• Sowohl in der Rhetorik als auch in der Politik von Viktor Orbán ist der Autoritarismus stark verankert.
• Er agiert selbstherrlich, als Patriarch im eigenen Land: „Der Staat bin ich“.
• In der Flüchtlingskrise handelt er nicht besonnen-strategisch sondern situativ, also ohne lange Entscheidungsfristen.
• Er hat eine starke körperliche Präsenz und zeigt „napoleoneske“ Gesten, z.B. neigt er dazu, auf öffentlichen Fotos seine Hand auf Brusthöhe in das Sakko zu schieben.
• Er löst die Probleme des Landes lieber allein. Ihm ist es egal, was andere von ihm denken.

Selbstüberschätzung: Typisch für das Persönlichkeitsmuster Macht

Zwei Ohrfeigen – mehr brauche es nicht, und der rechtsextreme Spuk im eigenen Land sei beendet, hat Viktor Orbán einmal wissen lassen. Dieser Ausspruch passt zu der hemdsärmeligen Attitude, die Menschen mit dem Persönlichkeitsmuster Macht eigen sind. Sie äußern sich in einer derber, direkten Sprache, die aus dem Selbstbild resultiert: „Ich bin stark. Ich bin ein böser Bube – und gefalle mir in dieser Rolle.“ Die Selbstüberzeugung steigert sich bis zur Selbstherrlichkeit.

Regeln? Gelten für andere

Auch in der Flüchtlingskrise zeigt Viktor Orbán eine unnachgiebige Haltung: Er hat es nicht nötig, sich mit anderen EU-Ländern abzustimmen. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat den ungarischen Premier auf dem EU-Gipfel in Riga also nicht umsonst mit den Worten „Hallo Diktator“ begrüßt – auch wenn er nachher betont hat, das sei mit einem Augenzwinkern zu sehen.

Orbán selbst gefällt sich unübersehbar in seiner Rolle, die EU zu provozieren. Warum dieses politische Agieren bei Horst Seehofer und der CSU auf offene Ohren stößt: dazu mehr im Radio-Beitrag.

Wie funktioniert Key to see®?

Die Key to see®-Methode basiert auf der Jahrtausende alten Typologie des Enneagramms, übersetzt in die heutige Zeit. Um Persönlichkeitsaspekte von Personen des öffentlichen Lebens herausfiltern und daraus Anhaltspunkte für die Gründe ihres Handelns zu finden, durchforstet Mira Biographien, Wikipedia-Einträge und Berichte im Internet, analysiert YouTube-Videos von öffentlichen Auftritten und liest persönliche Aspekte aus Facebook-Einträgen und Postings – auch die von anderen Nutzern. „Es ist wie das Zusammensetzen eines großen Puzzles“, sagt Mira. „So können wir wertvolle Erkenntnisse über die intrinsische Motivation unserer Mitmenschen erhalten und ihr Verhalten besser verstehen. Das Nachfühlen der Handlungsmotive des anderen ist für mich die Basis für echte Empathie.“


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