Mira bei RADIO 21: Recep Erdogan

Verfasst von am 14. März 2017 in RADIO 21

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht öffentlich über den Mann diskutiert wird, der einerseits so geliebt, andererseits so kritisch betrachtet wird wie Recep Tayyip Erdogan, Präsident der türkischen Republik. Von seinem Volk wird er verehrt wie zuletzt Mustafa Kemal Atatürk, es folgt ihm zu seinem Ziel, nämlich seine Macht in Form eines Präsidialregimes zu verankern. Wir möchten an dieser Stelle nochmals betonen, dass der Titel „Mensch der Woche“ keine Auszeichnung ist. Vielmehr beleuchten wir eine Person oder Personen, die in der auslaufenden Woche in den Medien omnipräsent waren und somit Anlass zu öffentlichen Diskussionen gaben.

Kampf oder Macht?

Das Beispiel Recep Erdogan zeigt, wie zwei intrinsische Motivationen sich ähneln bzw. wie häufig die Persönlichkeitsstrukturen verwechselt werden. Das Verhalten, das den intrinsischen Motivationen Kampf und Macht entspringt, ist durchaus ähnlich. Menschen beider Persönlichkeitsmuster zeigen sich kämpferisch und machtvoll. Der Teufel liegt jedoch im Detail: Das größte Unterscheidungsmerkmal können wir darin finden, dass es Menschen, die von der intrinsischen Motivation Macht gesteuert werden, völlig egal ist, was andere von ihnen denken. Sie sind laut, reden Klartext, zeigen die sprichwörtliche „klare Kante“ und lassen sich von nichts und niemandem beirren. Letztlich stehen sie für die Haltung „wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“ Menschen hingegen, die von der Persönlichkeitsstruktur Kampf gesteuert werden, handeln strategisch. Sie wollen Aufmerksamkeit und um die kämpfen sie auch. Wir können sie als Angstbeisser bezeichnen.

Glatter Durchmarsch zur Macht

Recep Erdogan ist ein Mann aus dem Volk. Aufgewachsen in einem der ärmsten Viertel von Istanbul hat er schon früh gelernt, sich durchzuboxen. Er hat seinen Weg konsequent verfolgt, zunächst als Unternehmer, später als Politiker. Und lässt sich gern „Chef“ nennen. Dass er bei seinem Universitäts-Abschluss gemogelt haben soll – geschenkt. Menschen, die von Macht intrinsisch motiviert werden, machen sich ihre eigenen Regeln und entscheiden selbstständig, was geht und was nicht. Im Fall des Regierungschefs ist alles möglich. Auch das Prinzip der Maßlosigkeit: Erdogan lebt in einem Palast mit mehr als tausend Zimmern, der sechsmal so groß ist wie das Weisse Haus. Menschen mit diesem Antrieb haben Charisma, sie füllen den Raum mit ihrer Energie und bringen jedes Randgespräch mit einem Blick zum Stoppen. Erdogan redet, bevor er denkt und ist bekannt dafür, schnell impulsiv und wütend zu werden – was häufiger vorkommt, wenn jemand eine andere Meinung vertritt als er selbst.

Bedingungsloser Wille zur Macht

Menschen, die von der intrinsischen Motivation Macht gesteuert werden, haben ein unverrückbares Selbstbild: „Ich bin der Stärkste“. Sie wissen aber auch, dass sie in ihrer Position Neider haben und angegriffen werden: Hinter jedem Thron steht bekanntermaßen ein Stratege mit einer Feile in der Hand. Das führt dazu, dass Recep Erdogan niemandem traut. Seine immer größer werdende Macht ließ ihn zum selbstbesessenen Autokraten werden. Es scheint, als würde er sich von der hellen, eher guten Seite der Macht eher auf die dunkle Seite begeben. Möglich, dass sein Volk ihn noch auf der hellen Seite sieht, als starke Vaterfigur. Umso mehr ist es an der Zeit, sich mit der Persönlichkeit eines Machtpolitikers, der aus dem Bauch heraus und dementsprechend unkalkulierbar handelt, näher zu beschäftigen.

Mehr Hintergründe und wie man mit einem Machtmenschen umgehen sollte, hören Sie in der Kolumne bei Radio 21.

Wie funktioniert Key to see®?
Die Key to see®-Methode basiert auf der Jahrtausende alten Typologie des Enneagramms, übersetzt in die heutige Zeit. Um Persönlichkeitsaspekte von Personen des öffentlichen Lebens herauszufiltern und daraus Anhaltspunkte für die Handlungsmotivation zu finden, durchforstet Mira Biographien, Wikipedia-Einträge und Berichte im Internet, analysiert YouTube-Videos von öffentlichen Auftritten und liest persönliche Aspekte aus Facebook-Einträgen und Postings – auch die von anderen Nutzern. „Es ist wie das Zusammensetzen eines großen Puzzles“, sagt Mira. „So können wir wertvolle Erkenntnisse über die intrinsische Motivation unserer Mitmenschen erhalten und ihr Verhalten besser verstehen. Das Nachfühlen der Handlungsmotivation des anderen ist Basis für Empathie.“