Mira bei RADIO 21: Martin Schulz

Verfasst von am 06. Februar 2017 in RADIO 21

„From Zero to Hero“: Martin Schulz ist der neue Star der SPD, versehen mit vielen Vorschusslorbeeren und der Fähigkeit, der Partei endlich neue Fans zu bescheren und abgewanderte Schäfchen zurückzuholen. Wie hat er das geschafft, nachdem er lange Jahre in Brüssel ein eher unscheinbares Dasein gefristet hat? Key to see® hat Antworten und erklärt die Persönlichkeit unseres „Menschen der Woche“.

Sicherheit, Kampf – und Charme!
Endlich hat seine Stunde geschlagen: die Benennung zum Kanzlerkandidaten müsste sich für Schulz selbst wie eine späte Bestätigung anfühlen. Sie gibt ihm die Aufmerksamkeit, nach der er sich lange gesehnt hat. Endlich steht er im Rampenlicht. Wie schafft man es bloß, über so lange Zeit EU-Präsident zu sein ohne dass das in der Heimat jemanden interessiert? Zumindest ist bekannt, dass dieser Umstand niemanden so sehr geärgert hat wie Schulz selbst (eine auffallende Parallele zu Sigmar Gabriel übrigens). Es braucht schon eine gute Portion Ego, um derartig voranzupreschen und sich selbst als „Germanys Next Chancellor“ zu präsentieren. Was sagt das über die Persönlichkeit von Martin Schulz aus?

Aus der Biografie, dem Auftreten und seinen (Sprach-)Botschaften lesen wir die intrinsische Doppel-Motivation Sicherheit/Kampf heraus. Im Enneagramm stellt dieses Persönlichkeitsmuster eine Besonderheit dar: es handelt sich um Menschen, in deren Brust zwei Seelen schlagen. Einerseits sind sie zögerlich und zaghaft, blass und ängstlich, im nächsten Moment springen sie durch die „Katzenklappe“, zeigen sich mutig und angriffslustig, fahren ihre Krallen aus und legen eine beeindruckende Stärke an den Tag. Martin Schulz vereint diese beiden Motoren der Persönlichkeit wie kaum ein anderer. Seine Biografie zeugt von Unsicherheit und Kampf: Nach seiner Knieverletzung als Jugendlicher verließ ihn der Lebensmut, er wurde Alkoholiker – und hat sich aus dieser dunkelsten Phase seines Lebens wieder herausgekämpft. Bis heute hat er seine Dämonen (scheinbar) im Griff.

Der persönliche Lebenskampf
Wir verstehen die intrinsische Motivation eines Menschen als ein Lebensmotiv: Martin Schulz hat sich sein Leben und seinen Erfolg hart erkämpft: Vom Buchhändler zum Bürgermeister (von Würselen, aber immerhin!), vom blassen SPD-Politiker zum EU-Präsidenten. Hier wird die Verbindung zur intrinsischen Motivation Erfolg sichtbar – nur mit dem Unterschied, dass dieses Persönlichkeitsmuster charmanter und weniger kämpferisch auftritt (siehe Obama). Martin Schulz hat bereits bei seinem Amtsantritt in Brüssel propagiert: „Ich werde kein bequemer Präsident sein.“ Sicherlich wird er auch kein bequemer Kanzlerkandidat sein. Das liegt daran, dass er seinen persönlichen Lebenskampf nun auf offener Bühne austrägt. Er genießt die neue Aufmerksamkeit in vollen Zügen und wird darin baden, ähnlich wie Donald Trump in den USA.

Robin Hood und die Gerechtigkeit
Was sagt Martin Schulz über sich? Er sei „etwas impulsiv“. Das ist wohl noch untertrieben… Menschen, die von der intrinsischen Motivation Kampf angetrieben werden, verstehen sich selbst als moderne Robin Hoods. Sie sehen es als ihre Aufgabe an, für Gerechtigkeit zu kämpfen – nicht weil es im Parteibuch steht, sondern weil sie selbst in ihrer Kindheit das Gefühl hatten, ungerecht behandelt worden zu sein, meistens von einem zu strengen Vater. Oder vom Schicksal, das ihm die große Karriere als Fußballer verweigert hat. Es gibt kaum einen stärkeren Motor als Rache. Martin Schulz möchte sich am Leben rächen und kämpft um seine persönliche Gerechtigkeit. Mit dieser Mission wird er in Deutschland viele Menschen erreichen, weil sie sich in ihm wiederfinden können. Die intrinsischen Motivation Sicherheit und Kampf sind sehr deutsch. Wir erleben derzeit, wie das Sicherheitsgefühl in unserem Land schwindet und die Bereitschaft zum Kampf immer größer wird. Da Martin Schulz diese Entwicklung personifiziert sprich verkörpert, werden ihm viele, sehr viele Menschen folgen. MEGA.

Warum Martin Schulz die Bundestagswahl gewinnen kann – mehr dazu in der Kolumne bei RADIO 21.

Wie funktioniert Key to see®?
Die Key to see®-Methode basiert auf der Jahrtausende alten Typologie des Enneagramms, übersetzt in die heutige Zeit. Um Persönlichkeitsaspekte von Personen des öffentlichen Lebens herausfiltern und daraus Anhaltspunkte für die Gründe ihres Handelns zu finden, durchforstet Mira Biographien, Wikipedia-Einträge und Berichte im Internet, analysiert YouTube-Videos von öffentlichen Auftritten und liest persönliche Aspekte aus Facebook-Einträgen und Postings – auch die von anderen Nutzern. „Es ist wie das Zusammensetzen eines großen Puzzles“, sagt Mira. „So können wir wertvolle Erkenntnisse über die intrinsische Motivation unserer Mitmenschen erhalten und ihr Verhalten besser verstehen. Das Nachfühlen der Handlungsmotive des anderen ist Basis für echte Empathie.“