Mira bei RADIO 21: Boris Becker

Verfasst von am 19. Dezember 2016 in RADIO 21

„Das Leben ist kein Spiel“ – so lautet der Titel der Biografie von Boris Becker. Wir möchten ergänzen: „Das Leben ist kein Spiel, sondern Kampf!“. Ausdruck der Lebenshaltung des jüngsten Wimbledon-Siegers aller Zeiten ist seine legendäre Becker-Faust, die uns seine intrinsische Motivation sprichwörtlich vor Augen führte. Nun hat der ehemalige Tennis-Champion nach seiner Karriere auf dem Platz auch seine Trainertätigkeit vorerst ad acta gelegt. Hoffentlich nicht für lange! Er ist unser „Mensch der Woche“.

Siegen!

Gemeinsam mit Steffi Graf löste Boris Becker in den 80er und 90er Jahren einen wahrhaft gigantischen Tennis-Boom in Deutschland aus. Sein Ausnahmetalent wurde bereits im Kindergartenalter erkannt und gefördert. Und er war kaum aufzuhalten: Zwischen 1982 und 1984 wurde er drei Mal Tennisjuniorenmeister, 1984 spielte er sich ins Viertelfinale der Australien Open und machte damit auch auf großer Bühne auf sich aufmerksam: Als zäher, kraftvoller Spieler, der jenseits des Platzes eher durch stammelnde Worte auffiel. In diesen zwei Seiten seiner Persönlichkeit, die nicht nur auf sein Alter zurückzuführen waren, spiegeln sich die beiden intrinsischen Motivationen Sicherheit und Kampf wider. Auf dem Platz zeigte er seine kämpferische Seite, in der anschließenden Pressekonferenz seine schüchterne Ader.

Während seiner aktiven Tennis-Karriere rückte diese zurückhaltende, scheue Seite immer mehr in den Hintergrund. Becker gewann an Souveränität und entwickelte sich auch zum erfolgreichen zum Geschäftsmann: In Mecklenburg-Vorpommern kaufte er drei Mercedes-Autohäuser, damals inspiriert von Ion Tiriac, seinem Manager und Ziehvater, um sein Einkommen auch nach Ende seiner Tennis-Ära zu sichern.

Wohin mit den Spannungen?

Uns drängt die Vermutung, dass „Bobbele“ nach Ende seiner aktiven Sportlerkarriere die Kampf-Arena fehlte. Seine unternehmerischen Projekte gingen nach und nach den Bach runter: Sei es eine Internet-Plattform für Sportprojekte, die noch vor dem Börsengang scheiterte, seine komisch anmutenden Geschäftsideen wie die Talkshow „Becker 1:1“ oder seine zweifelhafte Karriere in Poker-Kreise. Boris Becker machte eher mit Frauengeschichten von sich reden und wirkte so, als habe er den Sprung von der Sportlerbühne hinein ins „richtige“ Leben nicht geschafft. Ihm fehlte wohl die Möglichkeit zum (Zwei-)Kampf: Ein Kämpfer, der keinen klaren Gegner hat, wird unzufrieden – und müde. Apropos müde: Menschen, die von Kampfeswillen angetrieben sind, können es schwerlich aushalten, ihre inneren Spannungen nicht über Bewegung ausagieren zu können. Sie müssen sich bewegen. Becker erzählt in Interviews, er habe ständig Schmerzen und sei körperlich ein Wrack. Wir mutmaßen, dass er Mittel und Wege gefunden hat, um seine inneren Spannungen zu betäuben. Leider sieht man ihm das auch an…

Sex sells

Ich erinnere mich an Begegnungen mit dem Tennis-Star und meine Verwunderung über seine starke sexuelle Ausstrahlung. Menschen mit einer Persönlichkeitsstruktur, bei denen die intrinsische Motivation Kampf überwiegt, füllen einen Raum und kommen ihrem Gesprächspartner sehr nahe. Sie bewegen sich geschmeidig, fast schleichend, und verströmen eine starke sexuelle Energie – zum Beispiel durch ihren sehr auffordernden Blick, so als wollten sie ihr Gegenüber zu einem Spiel (oder eben einem Kampf) einladen. Leider ist ihm auch diese Ausstrahlung mehr und mehr verloren gegangen…

Mit seinem Schützling Novak Djokovic konnte er wieder kämpfen. Zwar diesmal nicht aktiv auf dem Platz, dafür mental. Die Entwicklung, die dieser vollzogen hat und das Auftauchen eines weiteren Coaches auf dem Platz haben wohl dazu geführt, dass Becker sich zurückgezogen hat. Er ist ein Kopfmensch und hat mit spirituellen Ansätzen, die der neue Coach von Djokovic einbringt, nichts am Hut.

Wir wünschen ihm schnell eine neue Möglichkeit zum Kampf. Er braucht diese Energie wie die Luft zum Atmen.

Mehr über Boris Becker im Talk bei RADIO 21.

Wie funktioniert Key to see®?
Die Key to see®-Methode basiert auf einer Jahrtausende alten Typologie, übersetzt in die heutige Zeit und ergänzt mit tiefenpsychologischen Methoden. Um Persönlichkeitsaspekte von Personen des öffentlichen Lebens herausfiltern und daraus Anhaltspunkte für die Gründe ihres Handelns zu finden, durchforstet Mira Mühlenhof Biographien, Wikipedia-Einträge und Berichte im Internet, analysiert YouTube-Videos von öffentlichen Auftritten und liest Aspekte aus Facebook-Einträgen und Postings – auch von anderen Nutzern. „Es ist wie das Zusammensetzen eines großen Puzzles“, sagt Mira. „Wir erhalten wertvolle Erkenntnisse über die intrinsische Motivation unserer Mitmenschen und können ihr Verhalten besser nachvollziehen. Das Nachfühlen von Handlungsmotiven dient somit als Basis für mehr Verständnis und Empathie.“